Holistische Modellierung gravitativer Deformationen der Empfangseinheit von Radioteleskopen
Autoren: Cornelia Eschelbach, Benedikt Soja, Rüdiger Haas, Michael Lösler
Die Prüfung geodätischer Messmittel zur Sicherstellung von Funktion, Genauigkeit und Rückführbarkeit ist integraler Bestandteil des Vermessungswesens. Neben mobilen terrestrischen Instrumenten wie Nivellieren, Tachymetern oder GNSS-Empfängern rücken Untersuchungen an der geodätischen Infrastruktur zur Definition, Realisierung und Aufrechterhaltung globaler geodätischer Referenzrahmen infolge erhöhter Genauigkeitsanforderungen verstärkt in den Fokus. Radioteleskope, die zur Interferometrie auf langen Basen (VLBI) eingesetzt werden, weisen aufgrund ihrer Dimension und ihres Gewichts ein ausrichtungsabhängiges Verformungsverhalten auf, welches systematische Abweichungen in den VLBI-Beobachtungen verursacht. Das bisher angewandte Korrekturmodell ist unvollständig und berücksichtigt nur einen Teil der tatsächlich auftretenden Verformungen, wie gegenwärtige Untersuchungen zeigen. Je nach Teleskop können diese nicht repräsentativen Korrekturen sogar zu einer systematischen Verfälschung der VLBI-Beobachtungen führen. Dieser Beitrag stellt das in enger Kooperation mit dem International VLBI Service for Geodesy and Astrometry entwickelte ganzheitliche Analyseverfahren der IAG/IERS Arbeitsgruppe Metrology of Space Geodetic Infrastructure vor, welches eine Berücksichtigung aller auftretenden und modellierbaren Deformationen ermöglicht.