Alle Reflektoren sind gleich, aber manche sind gleicher

16 Sept 2026
Room C 62 b
2.3.1 Engineering Geodesy: sensors and methods

In der industriellen Messtechnik werden häufig sphärisch montierte Reflektoren (SMR) in Verbindung mit einem Lasertracker verwendet. Für diese hochgenauen Messungen besteht jeder dieser SMR aus einem verspiegelten Eckwürfel, der in einer Stahlkugel zentriert ist. Der Radius dieser Stahlkugel beträgt üblicherweise 1,5‘‘. Das Angebot an deutlich günstigeren sphärischen Glaskörperreflektoren und entsprechendem Zubehör wächst jedoch stetig. Ursprünglich sind diese Reflektoren für klassische terrestrische Anwendungen entwickelt worden. Sie bieten die Möglichkeit, unterschiedliche Instrumententypen, wie zum Beispiel Totalstationen, Lasertracker und Laserscanner über eine gemeinsame physische Schnittstelle miteinander zu verknüpfen. Eine Voraussetzung dafür ist ein identischer und instrumentenunabhängiger Referenzpunkt. Vor diesem Hintergrund wurde geprüft, ob sphärische Glaskörperreflektoren diese Anforderung erfüllen und damit für hochpräzise industrielle Anwendungen geeignet sind. Dazu wurden mehr als 20 Reflektoren aus unterschiedlichen Fertigungsreihen hinsichtlich ihrer Genauigkeit und Zuverlässigkeit mit dem Lasertracker Leica AT960 untersucht. Das Ziel war es, die Übereinstimmung in Bezug auf die Konformität des Referenzpunkts zu analysieren. Dafür wurden für jeden sphärischen Glaskörperreflektor die Nullpunktabweichung, der Kugelradius und die Sphärizität sowie radiale und laterale Abweichungen in Abhängigkeit von dem Einfallswinkel des Laserstrahls bestimmt. Die Ergebnisse wurden anschließend mit zertifizierten Referenzen verglichen und reflektor-spezifische Korrekturen abgeleitet, sodass diese Glaskörperreflektoren sich für hochpräzise industrielle Anwendungen eignen. Am Onsala Space Observatory in Schweden wurde das lastfallabhängige Verformungsverhalten des Hauptreflektors eines Radioteleskops photogrammetrisch untersucht und Glaskörperreflektoren zur prozessbegleitenden Realisierung einer Maßverkörperung in der Größe des Messobjekts erfolgreich eingesetzt.

Session Moderator
Cornelia Eschelbach
Prof. Dr. Cornelia Eschelbach, Professur für Vermessung und angewandte Geodäsie - Frankfurt University of Applied Sciences
Speakers
Kira-Lynn Kopitzke
Kira-Lynn Kopitzke, Vermessungsingenieurin - Marpe Bau GmbH & Co. KG

Tags

Frontiers of Geodetic Science

Sprache

Deutsch // German